Jetzt wo das erste Jahr in Florida fast rum ist, nähert sich auch der erste US Mietvertrag dem Ende. Vor genau einem Jahr hatten wir damals fantastische 7 Tage für das Finden einer Wohnung in Miami eingeplant (neben den hundert anderen Behördengängen). Ist im Nachhinein übrigens nicht so ganz empfehlenswert. Immerhin hatten wir das Glück und wurden fündig. Auch wenn wir insgesamt ein relativ glückliches Händchen hatten und in ein schönes, gepflegtes Städtchen etwas abseits vom Miamitrubel gezogen sind, wurde uns doch relativ schnell klar, dass wir unseren Mietvertrag nicht noch einmal um ganze 12 Monate verlängern wollten.
Da man zum Ende der Vertragslaufzeit eine Art Kündigungsschreiben spätestens 30 Tage vor Ablauf des Vertrages abliefern muss, wurde es also auch langsam Zeit, sich um die nächste Unterkunft zu kümmern. Dabei ist die Wohnungssuche in Amerika meines Erachtens doch relativ simpel, wenn auch zeitaufwendig. Um es kurz zu machen, auf craigslist findet man jeden Tag das gleiche Apartment 19 mal und es ist etwas nervig, sich da durch zu wurschteln. Weitere gute Quellen sind immer die Apartment Guides, die bei allen möglichen grocery stores usw. rumliegen.
Im Wesentlichen läuft die Wohnungsjagd so ab. Rein zum property manager, kurz einen Wisch ausfüllen und ID (z.B. Führerschein) abgeben (man weiß ja nie, was dem armen Menschen vom management da sonst so zu stößt). Dann fährt man in 95% der Fälle mit einem kleinen Golfcart die ganzen 25m vom leasing office zum Modellapartment. Man kriegt noch alle Annehmlichkeiten gezeigt (Pool, Fitnessstudio, Businesscenter, Tennisplatz, …) und kann sich bei Interesse eine Application mitnehmen. Meist kostet die Bewerbung selbst schon Geld. Eine Adminstration und Application fee (pro Person) summiert sich schnell mal zu $200 und da hat man noch nicht mal das Apartment gesehen. Wenn man Pech hat und befunden wird, dass man doch vollkommen ungeeignet ist nach Überprüfung des Credit Scores (das kann ja schwierig sein, wenn man als frischer Auswanderer gar keinen hat), criminal background, employment und renter’s history (auch schwierig, wenn man relativ “neu” ist) – dann war’s das mit dem Geld. Nun “haben” die sich aber meist nicht so und man kann schlechte Bewerbungen erheblich durch ein höheres “security deposit” (also Kaution) aufwerten. Die Kaution liegt etwa bei Preisen von $99 (als Lockangebot) bis hin zu 2 Monatsmieten für Leute, die kaum Credit Score aufweisen können. Üblicherweise sollte das Deposit aber bei $200 bis $300 liegen. Oh und wer ein Haustier hat…. hier werden nochmal $200 oder $300 fällig – pro Tier! Der aufmerksame Leser merkt, das wir bis hierher noch keinen einzigen Cent Miete bezahlt haben!
Nun gut, um die Geschichte etwas interessanter zu gestalten zurück zu meiner persönlichen Geschichte. Wir haben uns in 2 Tagen etwa 15 Wohnanlagen angeguckt. Der persönliche Höhepunkt war eine riesige Community, in der wer erstmal gar nicht reingekommen sind (wie edel!). Normalerweise gibt es immer die Möglichkeit, dass “future residents” irgendwie direkt zum leasing office gelotst werden. Das schien hier aber eher unmöglich. Ein netter Nachbar hat uns dann aber schnell mitreingelassen, bevor uns die Schranke auf den Kopf gefallen ist.
Einmal in der Community war es dann auch äußerst schwer, das leasing office zu finden. Naja, Hinweisschilder verwirren ja auch eher. Nachdem wir das leasing office zufällig gefunden hatten, wurde es interessant. Zunächst war man überrascht, dass wir uns doch im leasing office tatsächlich für eine Wohnung interessierten. Wie immer fingen wir an, den Standardwisch auszufüllen, während uns die “nette Tante” nebenbei erklärte, dass man hier schon einen fantastischen credit score vorweisen müsste. Und man auch eine extrem tolle employment history haben sollte. Dafür sei ja die Community so toll. Wir würden sogar einen Disney und HBO Channel geschenkt bekommen. Was ich denn beruflich mache. Und noch andere Fragen, die vorher keiner gefragt hatte (jedenfalls nicht, nur weil wir mal eine Wohnung sehen wollten). Nach zehnminütiger Ausführung über diese tolle Community teilte und die Dame dann mit, dass es sich übrigens um eine “income restricted community” handelt, was ich jetzt mal ganz simpel mit “sozialem Wohnungsbau” übersetze. Man dürfe nicht mehr als $29,000 im Jahr verdienen – zusammen (Ehemann UND Ehefrau).
Das ist natürlich ein bißchen schwierig und wir mussten uns verabschieden. Die nette Dame sagte dann noch, dass sie sich das ja schon fast gedacht hätte, als sie nach meinem Beruf gefragt hatte. Trotzdem danke für die viele und reichliche Auskunft.